Unfallrecht

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Entschädigung und Schmerzensgeld nach Unfall

Das Schmerzensgeld im deutschen Recht scheint für viele ein Buch mit sieben Siegeln zu sein. Tatsächlich steht Menschen gesetzlich viel häufiger Schmerzensgeld zu, als landläufig geglaubt wird. Die Summen können in vielen Fällen beträchtlich sein. Ein Anwalt kann Sie beraten, wofür Schmerzensgeld vom Gesetzgeber eigentlich vorgesehen ist, wann man Anspruch darauf hat und welche Höhen üblich sind.

Schäden nach Unfall

Schmerzensgeld ist dazu vorgesehen, immaterielle Schäden finanziell abzugelten. Im Gegensatz zum Schadensersatz gleicht das Schmerzensgeld von Unfallopfern erlittene Verletzungen von Gesundheit und Körper aus, die aus sich selbst heraus keinen Geldwert besitzen. Natürlich kann eine finanzielle Leistung keinen bleibenden Schaden wiedergutmachen. Sie kann allerdings Folgen zu lindern, Härten abmildern und den Rechtsfrieden herstellen. Hierbei ist die Art des Gesundheitsschadens ebenso zu berücksichtigen wie der Grad, das Ausmaß und die Dauerhaftigkeit. Hinzu kommen die erlittenen Schmerzen und die Einbußen in der Lebensqualität. Neben einem Festbetrag kann auch eine Geldrente beansprucht werden, je nach Schwere des Leidens.

Materielle Schäden sind ein kaputtes Fahrrad, eine offene Wunde, eine gebrochene Schulter. Materielle Schäden müssen nach deutschem Recht ausgeglichen werden. Immaterielle Schäden betreffen nichts Stoffliches, sondern beispielsweise das Ertragen-Müssen von Schmerzen, das Aushalten-Müssen von unbequemen oder unangenehmen Zuständen oder die Einschränkung der Lebensfreude. Als Schaden in Folge eines Unfalls fällt das nicht unter den Tisch, sondern wird auch berücksichtigt.

Ein kleines Unfall-Beispiel zur Konkretisierung: Ein Fahrradfahrer wird von einem Autofahrer angefahren und verletzt sich dabei an der Schulter. Die Schulterverletzung ist der materielle Schaden, ebenso die Beschädigung des Fahrrads. Daneben muss der Fahrradfahrer weitere Einschränkungen erdulden: Bis zum Ausheilen der Schulterverletzung muss er Schmerzen ertragen und ist immer wieder auf Hilfe angewiesen, da er seinen Arm nicht richtig benutzen kann. Während der Heilungsdauer kann er sein Hobby, das Squashspielen, nicht ausüben. Er muss statt dem Auto den Bus zur Arbeit nehmen, was wesentlich länger dauert und ihn täglich zusätzliche Zeit kostet. Für alle diese Unbequemlichkeiten, die einen immateriellen Schaden darstellen, hat der Fahrradfahrer auch das Recht auf Entschädigung. Gesetzlich ist der Anspruch auf Schmerzensgeld im § 253 Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) geregelt. Der Paragraph im BGB ist kurz und bündig, indem er sagt, dass man auch für immaterielle Schäden Geld fordern darf. Dieses Geld ist das Schmerzensgeld.

Anspruch auf Schmerzensgeldleistungen hat man im Übrigen auch dann, wenn der Schaden durch den Verursacher nicht absichtlich herbeigeführt wurde. Nach geltender Gesetzeslage in Deutschland reicht es aus, wenn der Schaden aus der sogenannten Gefährdungshaftung heraus entstanden ist. Dann trifft den Verursacher gar keine Schuld, sondern der Schaden ist Folge einer üblichen Gefahr, zum Beispiel, wenn der Verursacher Hundebesitzer ist. Auch wenn sich der Verursacher rechtlich einwandfrei verhalten hat, entsteht hier ein Anspruch auf Schmerzensgeld. In vielen Fällen wird man nach einem solchen Unfall einen Rechtsanwalt brauchen, um diese Ansprüche gegen den Verursacher nach dem Unfall tatsächlich durchsetzen zu können.

Kürzungen des Schmerzensgeldes werden durch das eigene Mitverschulden des Betroffenen begründet. Sie sind auch möglich, wenn entsprechende Vorerkrankungen bestanden.

Was sind die Unterschiede zwischen Schmerzensgeld, Entschädigung und Schadensersatz?

Von Schmerzensgeld muss man Entschädigung und Schadenersatz unterscheiden. Verletzungen der allgemeinen Persönlichkeitsrechte berechtigen zwar auch dazu, eine Entschädigung zu fordern, allerdings ist die Rechtslage hier ausnahmsweise anders. Bei solchen Geldentschädigungen geht es nicht um eine Schmerzensgeldforderung im Sinne des § 253 BGB, sondern um einen Rechtsanspruch, der sich aus Artikel 1 und Artikel 2 des Grundgesetzes herleiten lässt. Diese etwas kompliziertere Rechtstatsache stützt sich auf die Gewährleitung der Würde und Persönlichkeitsrechte des Menschen. Sie ist am besten im konkreten Fall im Beratungsgespräch mit dem Rechtsanwalt zu erörtern. Zu den typischen Maßnahmen des Schadensersatzes zählen der Ersatz beschädigter oder zerstörter Gegenstände. Dies ist etwa der Pkw bei Verkehrsunfällen. Es gehören aber auch der durch eine Schädigung verursachte Verdienstausfall oder die Kosten für eine Heilbehandlung dazu.

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Schmerzensgeld für Unfallopfer

Schmerzensgeld zählt zum Komplex von Ansprüchen im Verkehrsrecht, die gegen Unfallgegner geltend gemacht werden können. Gerade bei gravierenden Unfallfolgen kann das Schmerzensgeld für Unfallopfer einen großen Teil der finanziellen Kompensation des erlittenen Schadens einnehmen. Schmerzensgeld beschränkt sich aber nicht nur auf das Personenschadensrecht und ist ebenfalls im Arzthaftungsrecht – wie zum Beispiel bei Geburtsschäden und so genannten „Kunstfehlern“ – von Bedeutung.

Welche Unfallschäden führen zu Schmerzensgeld?

Es gibt eine ganze Reihe von typischen Personenschäden, die durch Unfälle etwa im Straßenverkehr oder beim Sport verursacht werden können. Folgende Liste versteht sich nicht als ausführliche Übersicht, sondern soll nur verdeutlichen, dass die Bandbreite möglicher Schäden, aus den sich Schmerzensgeld ableiten kann, groß ist.

  • Knochenbrüche: Frakturen können von einer leichten bis zur intensiven Therapie eine Bandbreite an medizinischen Maßnahmen bedürfen. In der Regel erfolgt danach die vollständige Genesung, aber auch Schäden von Dauer können die Unfallfolge gerade komplizierter, mehrfacher Brüche sein. Daraus resultieren oft Einschränkungen in der Bewegung und damit in Alltag und Lebensqualität sowie Schmerzen.
  • Schädel-Hirn-Trauma: Typisch ist das Schädel-Hirn-Trauma als Unfallfolge, gerade wenn der Kopf herumgeschleudert wird oder es zu einem Aufprall kommt. Dadurch entstehen Kräfte, die aufs Hirn einwirken. Die Konsequenten können sehr unterschiedlich sein. Das für Verkehrsunfälle so charakteristische Schleudertrauma ist in aller Regel ebenso leicht therapierbar wie eine einfache Gehirnerschütterung. Massive Hirnquetschungen haben viel schwerwiegendere medizinische Folgen.
  • Querschnittslähmung: Dauerhaft das weitere Leben beeinträchtigt eine Querschnittslähmung, die zu den massiven Unfallfolgen gehört. Welche Ausfälle daraus hervorgehen, hängt vom Grad der Rückenmarksverletzung ab.
  • Amputation: Der Verlust von Gliedmaßen zählt auch zu den Unfallfolgen, die sich oft massiv auf das Leben und die Lebensqualität der Betroffenen auswirken. Ebenso gravierend ist der Verlust einer Sinneswahrnehmung, zum Beispiel durch Erblinden.
  • Polytrauma: Treffen mehrere Verletzungen zusammen und ist eine einzelne oder ihr gemeinsames Auftreten lebensbedrohlich, handelt es sich um ein Polytrauma. Dieses erfordert eine intensive Therapie mit oft ungewissem Heilungserfolg.

Wann hat man Anspruch auf Schmerzensgeld?

Grundsätzlich hat man immer dann, wenn man geschädigt wurde und einen immateriellen Schaden geltend machen kann, auch einen Anspruch auf Entschädigung. Schmerzensgeldansprüche können daher in sehr vielen Situationen entstehen:

  • als Geschädigter eines Unfalls
  • als Opfer eines Verbrechens
  • nach jeder Körperverletzung (unabhängig von der körperlichen Seite der Verletzung, Schmerzensgeldforderungen beziehen sich auf immaterielle Schäden)
  • wenn man Schmerzen oder Unbequemlichkeit nach einer Verletzung der Gesundheit ertragen musste (zum Beispiel durch die fehlerhafte Behandlung eines Arztes)
  • wenn man eine Einschränkung der persönlichen Freiheit hinnehmen musste
  • wenn die sexuelle Selbstbestimmung eingeschränkt war
  • nach vorangegangenen Gerichtsentscheiden auch wegen vertaner Urlaubszeit
  • wenn man eine Benachteiligung nach dem Gleichbehandlungsverbot hinnehmen musste

Wie hoch ist der Anspruch auf Schmerzensgeld?

Festgesetzte Beträge oder verbindliche Werte gibt es nicht, es zählt immer das Schadensausmaß. Nach dem Gesetz soll sich die Abgeltung in einer „billigen“ Höhe bewegen. Das bedeutet in diesem Zusammenhang nicht „kostengünstig“, sondern „dem erlittenen Schaden angemessen“. Dafür gibt es für die Gerichte sogenannte „Billigkeitsgrundsätze“, die sie bei ihren Entscheidungen zu berücksichtigen haben. Es ist dabei Sache des Geschädigten, dem Gericht das Ausmaß des Schadens zu verdeutlichen und die erlittenen Einschränkungen klar dazulegen. In den meisten Fällen wird das ein Rechtsanwalt mit Erfahrung immer besser können als man selbst als Geschädigter. Wir verfügen über jahrelange Erfahrung in diesem Bereich, kennen die Denkweise und die Begründungen der Gerichte und auch vergleichbare Urteile der Vergangenheit und können Ihnen als Ihr Rechtsanwalt deshalb am besten helfen, damit Sie zu einer angemessenen Entschädigung kommen.

Schmerzensgeldtabellen – Wann sind sie gültig?

Gerichte ziehen für die Bestimmung der angemessenen Höhe oft Urteile aus der Vergangenheit heran. Die häufig kolportierten „Schmerzensgeldtabellen“ gibt es in dieser Form nicht wirklich. In manchen Fällen haben einzelne Gerichte für ihre Entscheidungen ihre eigenen Richtlinien entworfen, an die sie sich weitgehend halten. Das ist keineswegs rechtlich verbindlich. In jedem konkreten Fall zählt allein der tatsächlich erlittene Schaden in seiner individuellen Schwere als Maß der Dinge. Die „billige Höhe“ ist in vielen Fällen oft tatsächlich schwierig zu bemessen – wie beziffert man eine angemessene Entschädigung für wochenlang ausgestandene Ängste, Unsicherheiten oder Schmerzen? Wie hoch ist eine angemessene Entschädigung, wenn sie wochenlang nicht richtig schlafen oder sich nur eingeschränkt bewegen konnten? Als Ihr Rechtsanwalt können wir mit Ihnen gemeinsam festlegen, welche Entschädigung tatsächlich angemessen ist, um den erlittenen Schaden gutzumachen.

Recht und Anerkennung bekommen

Ihr Verfahrensgegner und auch Versicherungen werden natürlich immer bemüht sein, das alles möglichst kleinzureden und herunterzuspielen. Mit einer gerechten Schmerzensgeldforderung und einer angemessenen Entschädigung nach einem Unfall kämpfen Sie auch dafür, dass Ihr erlittenes Leid und Ihre Einschränkungen ausreichend anerkannt werden – und nicht herabgewürdigt und verharmlost. Aus diesem Grund sollten Sie sich immer einen Rechtsbeistand suchen, um gerade diese Diskreditierung und Herabwürdigung nicht über sich ergehen lassen zu müssen. Wir stehen Ihnen in jedem Fall mit unserer gesamten Erfahrung und unserem Einsatz zur Seite, beraten Sie über die Abläufe und sorgen dafür, dass Sie für alles Unangenehme, das Sie nach einem Unfall erleiden mussten, auch tatsächlich eine angemessene und gerechte Entschädigung bekommen. Wenden Sie sich an uns, wir helfen Ihnen, Ihre Ansprüche auch durchzusetzen.