Braucht jeder Ehepartner einen eigenen Rechtsanwalt?

Im Scheidungsverfahren muss mindestens ein Rechtsanwalt beteiligt sein, denn für die Antragstellung schreibt das Gesetz Anwaltszwang vor. Wenn die Parteien sich über Scheidungsfolgesachen streiten, ist ein zweiter Rechtsanwalt nötig.

Ein Anwalt und Eine Frau sitzen einem anderen Mann gegenüber am tisch. die frau hat Scheidungspapiere im hand

Eine einvernehmliche Scheidung mit nur einem Anwalt empfiehlt sich vor allem aus Kostengründen. Um die Gebühren des einen Rechtsanwalts untereinander gerecht aufzuteilen, können die Ehegatten eine Kostenteilungsvereinbarung treffen und sich darin verpflichten, jeweils die Hälfte zu übernehmen.

Die Höhe der Gerichts- und Anwaltskosten eines Scheidungsverfahrens richtet sich nach den Einkommens- und Vermögensverhältnissen der Eheleute. Für Sie lohnt es sich in jedem Fall, nur einen Rechtsanwalt zu beauftragen.

Ein Rechtsanwalt darf niemals zwei Parteien gegeneinander vertreten, da er sonst in einen Interessenkonflikt gerät. Eine Scheidung mit nur einem Anwalt ist aber möglich, sofern sich die Eheleute über alle wesentlichen Punkte einig sind und keine Folgesachen gerichtlich anhängig machen.

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1. Wofür gilt der Anwaltszwang?

Das Gesetz schreibt für die Antragstellung im Scheidungsverfahren Anwaltszwang vor. Derjenige Ehegatte, der die Antragsschrift einreichen möchte, muss daher einen Rechtsanwalt beauftragen. Für die Erklärung der Zustimmung braucht der andere Ehegatte keinen eigenen Rechtsanwalt, sondern kann diese im Termin zur mündlichen Verhandlung selbst abgeben.

 

2. Anwaltszwang im Scheidungsverfahren

Das Familienverfahrensgesetz sieht in § 114 vor, dass sich die Parteien in Ehesachen und Scheidungsfolgesachen von einem Rechtsanwalt vertreten lassen müssen. Dies gilt zumindest für die Beantragung der Scheidung. Falls der andere Partner dem Scheidungsantrag zustimmt und außer dem Versorgungsausgleich keine Folgesachen verhandelt werden, kann der Antragsgegner sich selbst vertreten und muss keinen eigenen Rechtsanwalt beauftragen.

 

3. Warum besteht Anwaltszwang?

Die vorgeschriebene anwaltliche Beteiligung soll zum einen die Parteien davor schützen, leichtfertig ihre Ansprüche zu verschenken. Manchmal neigen Ehepartner dazu, aufgrund von Schuldgefühlen oder aus Unterlegenheit dem anderen gegenüber auf Unterhalt oder Zugewinnausgleich zu verzichten. Ein solcher Verzicht kann aber existenzbedrohend sein. Zum anderen dient der Anwaltszwang der Beschleunigung des Verfahrens. Denn Rechtsanwälte sind darin geschult, die erheblichen Fakten in Kürze darzustellen, und wissen, welche Unterlagen dem Gericht direkt mit dem Scheidungsantrag eingereicht werden müssen.

 

4. Wann braucht jeder einen eigenen Rechtsanwalt?

Streitige Verhandlungen über die Scheidung und Scheidungsfolgesachen soll kein Ehegatte ohne rechtlichen Beistand führen, denn beim Zugewinn oder nachehelichen Unterhalt kann es um hohe Summen gehen. Auch bei Streitigkeiten um das Sorgerecht für ein Kind hält der Gesetzgeber die Beteiligung eines Juristen für geboten. Falls ein Ehepartner nicht geschieden werden möchte, sind immer zwei Rechtsanwälte nötig. Wenn beide die Scheidung wünschen, muss der Antragsgegner nur dann einen Anwalt hinzuziehen, sofern der anwaltlich vertretenen Ehegatte einen Antrag zu einer Folgesache stellt.

 

5. Wann muss ein zweiter Rechtsanwalt auftreten?

Ist der Antragsgegner nicht mit der Scheidung einverstanden, muss er sich selbst anwaltlich vertreten lassen. Das Gleiche gilt, wenn einer der Beteiligten einen Antrag zu einer Folgesache stellt, zum Beispiel zu Unterhalt oder Zugewinnausgleich. Denn die Antragstellung ist Rechtsanwälten vorbehalten, und der andere Partner kann im streitigen Verfahren nur über seinen Anwalt auf die Anträge erwidern.

 

6. Wer trägt die Anwaltskosten?

Jede Partei hat die Kosten ihres Rechtsanwalts zu tragen. Auch wenn sich beide Partner darauf einigen, nur insgesamt einen Rechtsanwalt zu beauftragen, besteht dessen Gebührenanspruch nur gegenüber der Partei, für die er tätig wird. Die Eheleute können sich jedoch darauf verständigen, sich die Anwaltskosten zu teilen. Damit der Verpflichtete die Hälfte der Anwaltskosten vom anderen einfordern kann, sollte er seinen Anspruch in einer vertraglichen Vereinbarung fixieren.

Um Ihre Scheidung möglichst unkompliziert und kostengünstig zu gestalten, sollten Sie als Ehepartner sich nach Möglichkeit über alle zu regelnden Punkte einig werden. Wenn Sie eine detaillierte Ehescheidungsfolgenvereinbarung abschließen, können Sie ein langes und kostspieliges Gerichtsverfahren vermeiden.

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