Was ist ein „grober Behandlungsfehler“?

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Bei jedem Behandlungsfehler, ob einfach oder grob, kann der Patient Schadenersatz und Schmerzensgeld beanspruchen, sofern er durch diesen Fehler einen gesundheitlichen Schaden erlitten hat. Der Unterschied wirkt sich aber auf die Beweisregeln im Zivilprozess aus.

Wenn ein Arzt seine Sorgfaltspflicht in erheblichem Maße verletzt hat, soll der Geschädigte es leichter haben, seine Ansprüche gerichtlich durchzusetzen. Deshalb muss er nach einem festgestellten groben Behandlungsfehler nicht mehr nachweisen, dass sein Gesundheitsschaden auf diesen Fehler zurückzuführen ist.

Definition des groben Behandlungsfehlers

Ein grober Behandlungsfehler wird angenommen, wenn der Arzt eindeutig gegen grundsätzliche und bewährte Regeln der Heilkunde oder gesicherte medizinische Erkenntnisse verstoßen hat. Unterschieden wird zwischen nachvollziehbaren Fehlern, die jedem Menschen einmal passieren können, und schwerwiegenden Patzern, die einem Arzt nicht unterlaufen dürfen. Bei der Beurteilung kommt es nicht auf die subjektive Einschätzung des Patienten oder des Arztes an, sondern auf den objektiven Facharztstandard. Wenn ein medizinischer Gutachter zu dem Schluss kommt, dass die Handlung des Arztes aus fachlicher Sicht keinen vernünftigen Grund hatte, liegt ein grober Fehler vor.

Häufige Fälle aus der Praxis

Lässt beispielsweise ein Chirurg nach einer Operation Instrumente, Bauchtücher oder Klemmen im Bauchraum zurück, ist eine grobe Pflichtverletzung anzunehmen. Denn jeder Arzt muss wissen, dass er alle Gegenstände beschriften und anschließend nachzählen muss, beziehungsweise sein Hilfspersonal entsprechend anzuweisen und zu überwachen hat. Auch das Übersehen von Befunden auf Röntgenbildern zählt zu den groben Schnitzern, sofern diese deutlich erkennbar waren. Weiterhin handelt es sich um gravierende Fehler, wenn Patienten mit schwerwiegenden Krankheitssymptomen nicht sofort behandelt oder an den richtigen Facharzt verwiesen werden.

Welche rechtlichen Folgen hat ein grober Behandlungsfehler?

Während beim einfachen Behandlungsfehler der Patient den schwierigen Nachweis erbringen muss, dass dieser Fehler ursächlich für den eingetretenen Schaden war, kehrt sich die Beweislast um, wenn ein grober Fehler festgestellt wurde. Dann wird widerleglich vermutet, dass der Fehler kausal war. Der Arzt kann sich nur entlasten, wenn er den Beweis dafür erbringt, dass sein Fehler nicht zu dem Schaden geführt hat.
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